Deutschland ohne Rückfahrkarte
Reise zu fremden Eltern
Film von Tina Radke-Gerlach
Sendedatum: 30.1.2001, arte, 20.45 Uhr
Eine VHS-Kassette ist gegen eine Gebühr von DM 50.-- bei Frau Tina Radke-Gerlach zu beziehen. Davon gehen DM 30.-- als Spende an den Verein LITTLE STARS für Projekte in Nepal (Vereinigung von Adoptiveltern, die in Nepal adoptiert haben).
PRESSETEXT:
Etwa 25000 Paare bewerben sich jährlich in Deutschland um eine Adoption.
Doch nur für jedes fünfzehnte von ihnen erfüllt sich der Wunsch. Fast alle dieser Paare sind unfreiwillig kinderlos. Die Zahl der Auslandsadoptionen nimmt ständig zu. Jedes Jahr finden etwa achthundert ausländische Kinder neue Eltern in Deutschland.
In der Öffentlichkeit ist von Kinderhandel und illegalen Machenschaften die Rede, vom Skandalmarkt skrupelloser Geschäftemacher und von Babydealern. Der Stoff aus dem Medien Sensationsgeschichten machen.
Was ist aber mit den seriös abgewickelten Adoptionen? Paare, die monatelang die deutsche Bürokratie durchlaufen und mit dem 'Eignungsbericht' eines Jugendamtes losziehen, um sich ganz legal dem Adoptionsparcours im Ausland zu stellen?
Am Beispiel der Adoption von Viola und Jan Hahn aus Bremen versucht der Film eine Antwort auf die in Zusammenhang mit Auslandsadoptionen immer wieder auftauchenden kritischen Fragen zu geben. In Tagebuchaufzeichnungen wird der beschwerliche und langwierige Weg ihrer Adoption festgehalten.Angefangen bei den leidvollen Erfahrungen, die im Zusammenhang mit der ungewollten Kinderlosigkeit stehen. Dem Schmerz über die Unfähigkeit ein Kind zu zeugen. Den jahrelangen erfolglosen Versuchen in den Mühlen der Reproduktionsmedizin. Der Sehnsucht nach einem Kind, die das Leben zu bestimmen droht. Den Gesprächen mit Jugendamt und Psychologen. Der Entscheidung zur Adoption, aus der neue Hoffnung, Lebensmut und Kraft erwachsen, um den Weg durch den Dschungel der Bürokratie zu wagen. Filmemacherin Tina Radke-Gerlach, selbst Adoptivmutter, arbeitet in einfühlsamer Weise die psychischen Stressituationen heraus. Die Kamera rekonstruiert die gescheiterte Adoption eines deutschen Babys, daß Hahns nach einer Woche intensiver Nähe wieder abgeben mußten, da die Mutter es sich anders überlegt hatte. Und sie begleitet das Ehepaar Hahn auf der vielleicht spannendsten Reise ihres Lebens. Nach Nepal.
In eindringlicher Weise beobachtet die Kamera Viola und Jan bei der ersten Begegnung mit ihrem Sohn und zeigt, wie sich die Bindung zwischen Kind und Adoptiveltern entwickelt.
Die Lebenssituation der Kinder im Waisenhaus wird beschrieben, die Gespräche mit Verantwortlichen, die vergebliche Suche nach der Mutter des Kindes, um diesem später wenigstens den Namen und Wohnort mitteilen zu können. Und die zahlreichen psychischen Stressituationen, bis nach Wochen der Dschungel asiatischer Bürokratie in Kathmandu bewältigt ist. Wochen, in denen sich bei den Adoptiveltern Unsicherheiten und Ängste mit überschäumender Freude und Optimismus mischen. So wird die Reise zu nervenaufreibenden Wechselbad der Gefühle.
Erst nach drei Wochen heißt es " Deutschland ohne Rückfahrkarte".Die Dokumentation versucht klare Antworten auf die Verunsicherung in der kritischen Öffentlichkeit zu geben. Sie ist ein Plädoyer für sinnvoll durchgeführte Auslandsadoptionen. Es wird aber auch deutlich, das eine Auslandsadoption nicht die Lösung des Elends verlassener Kinder in der sogenannten 'Dritten Welt' ist. Vielmehr kann und soll die Adoption nur Nothilfe für ein einzelnes Kind sein und ist als solche auch sehr wirksam.
Buch und Regie: Tina Radke-Gerlach