Presseartikel Thema Adoption
05.09.2001
Es fehlt ein Stück in der Person
Selbsthilfegruppe für erwachsene Adoptierte wird gegründet
Von KURIER-Mitarbeiterin Angelika Eder
WIESBADEN „Ich kenne meine Herkunft, meine Wurzeln nicht. Da ist nur ein schwarzes Loch.” So wie dem 39-jährigen Joachim Dreher ergeht es seiner Erfahrung nach vielen erwachsenen Adoptierten, die ihre leiblichen Eltern nicht kennen. Bei ihm kam erschwerend hinzu, dass er mit zwölf Jahren durch eine geschwätzige Nachbarin beim
Erst Trauer, dann Zorn
Einkaufen erfahren musste, "nur" ein angenommenes Kind zu sein. Dieser Tag sollte verheerende Folgen für sein künftiges Leben haben: Er fühlte sich betrogen, reagierte anfänglich mit Trauer, später mit Zorn und zog sich völlig in sich zurück. Von dem Zeitpunkt an begann er wegzulaufen – mal drei Tage, mal drei Wochen lang, wobei ihn die Ängste der Menschen in seinem persönlichen Umfeld völlig gleichgültig ließen; eine Verhaltensweise, die er auch als Erwachsener lange Zeit nicht abzulegen vermochte.
Aus heutiger Sicht räumt er ein, seinen Eltern, denen er damals kein Wort mehr glauben konnte, große Probleme bereitet zu haben. Auch der Psychologe, dessen Hilfe sie gesucht hätten, sei an seinem Schweigen gescheitert.
Aus eigener Erfahrung rät Dreher allen Adoptiveltern, ihr Kind so früh wie möglich über seinen Status aufzuklären. Nur so könne dieses Gefühl verhindert werden, unter dem er immer litt: „Alle haben sich abgesprochen und arbeiten Hand in Hand gegen mich. Man fühlt sich verraten und alles, was bis dahin konstant war, gerät ins Schwanken.”
Schließlich verdrängte er das Thema, um Jahrzehnte später ein um so größeres Interesse an den Umständen seiner Adoption zu entwickeln. Er erfuhr, dass man ihn mit acht Monaten aus einem Heim geholt hatte. Da die Adoptiveltern seinen Wunsch, die leibliche Mutter kennenzulernen, völlig ablehnten und eine für seine Gefühle zu enge Bindung suchten, brach er den Kontakt zu ihnen ab. „Sie haben meine Bewältigungsstrategie nicht akzeptiert, nicht verstanden, dass ich das brauchte, um meinen eigenen Weg gehen zu können.”
Inzwischen ist er im Besitz der Originalgeburtsurkunde und hofft deshalb, die heute etwa 60 Jahre alte Frau vielleicht doch noch aufspüren zu können, die ihn geboren hat. Seine erste Frage bei einer Begegnung steht für ihn schon seit langer Zeit fest: Warum hat sie ihn weggegeben?
Am wichtigsten ist für ihn jedoch im Moment, sie einfach nur sehen zu können. „Ich gucke
Komplizierte Recherchen
mich im Spiegel an, dann meine Adoptiveltern, und es passt nicht.” Neugierig wäre er natürlich auch auf seine beiden Schwestern, die ein Jahr vor bzw. nach ihm zur Welt kamen.
Joachim Dreher hatte das Glück, auf der Suche nach seinen Wurzeln direkt in seinem Geburtsort bei der 1962 bereits existierenden Adoptionsvermittlungsstelle fündig zu werden, und will nun auch weniger erfolgreiche Betroffene von den Erfahrungen mit Behörden profitieren lassen: Der Umgang mit Ämtern kann für ältere Adoptierte aus Gründen des Datenschutzes problematisch werden: Die frühere Rechtslage macht die Nachforschungen kompliziert. Deshalb will er nun in Wiesbaden eine Selbsthilfegruppe für erwachsene Adoptierte ins Leben rufen. Sie soll beim Sammeln der erforderlichen Dokumente behilflich sein, aber auch mit einem regelmäßigen Stammtisch den persönlichen Erfahrungsaustausch fördern. Auf diesen Gedanken ist er gekommen, als er bei ersten Kontakten im Internet feststellen konnte, wieviele Adoptierte seines Alters ähnliche Probleme haben, die in unterschiedlichsten Situationen auftreten können: unter anderem beim Arzt. Als Dreher bei seiner Einberufung nach Erbkrankheiten gefragt wurde, musste er passen: „Da kam ich wieder ins Grübeln, denn ich kann über mich selbst nicht richtig Auskunft geben. Es fehlt ein Stück in der Person.”
Infos zur Selbsthilfegruppe "Erwachsene Adoptierte": Joachim Dreher, Telefon 0611/9450360
21.08.2001
Stadt Rom adoptiert HIV-infiziertes Baby
ROM. Die Stadtverwaltung von Rom hat symbolisch ein zwei Monate altes Waisenmädchen adoptiert, das mit dem HI-Virus infiziert ist. Wie der stellvertretende Bürgermeister der italienischen Hauptstadt, Enrico Gasbarra, mitteilte, starb die 28-jährige nigerianische Mutter des Babys an einer Überdosis Drogen. Der Vater des Kindes sei unbekannt. "Ich weiß zwar nicht, ob sie schon einen Namen hat, aber wir werden sie Romana nennen", sagte Gasbarra, nachdem er das Baby im Krankenhaus besucht hatte. Die Adoption des "schönen Mädchens" solle zeigen, wie großzügig Rom sei. Nach dem Klinikaufenthalt könne das Kind möglicherweise bei Pflegeeltern aufwachsen oder adoptiert werden.
Quelle: RON - RHEINPFALZ ONLINE
12.08.2001
Adoption treibt eher in den Tod
CINCINNATI - Jugendliche, die in Adoptivfamilien aufwachsen, sind stärker selbstmordgefährdet als Teenager, die bei ihren biologischen Eltern leben.
Die Daten von 6577 Schülern aller Jahrgangsstufen ab dem Teenageralter gingen in die US-amerikanische Studie ein. 214 hiervon lebten bei einer Adoptivmutter, die übrigen bei der leiblichen Mutter. Die Forscher fanden vier auffallende Unterschiede zwischen beiden Gruppen: 7,6% der Adoptivkinder hatten einen Selbstmordversuch hinter sich, aber nur 3,1% der Nicht-Adoptierten. Von ersteren waren 16,9% im vergangenen Jahr bei einem Psychologen gewesen, in der zweiten Gruppe hatten dies lediglich 8,2% der Jugendlichen in Anspruch genommen. Ein weiterer auffallender Unterschied war, dass die Mütter von Adoptivkindern in der Regel eine bessere schulische Bildung hatten und das Familieneinkommen höher war als in anderen Familien. Die Forscher betonen jedoch, dass die Mehrheit der adoptierten Jugendlichen seelisch und emotional genauso fitt war wie andere Kinder. Die Studie zeige jedoch, dass es wichtig sein kann, sich der familiären Situation von Heranwachsenden bewusst zu sein - um gefährdete Jugendliche schneller zu erkennen und einzugreifen, bevor es zu einemSelbstmordversuch kommt.
Quelle: Pediatrics 2001, Vol. 108, S. 34
10.08.2001
Vater trifft Sohn nach 34 Jahren im Taxi wieder
Ist das nicht komisch - ihr habt beide denselben Namen." Nur weil die neugierige Freundin eines Taxikunden zufällig den Führerschein des Fahrers auf dem Armaturenbrett entzifferte, konnten Vater und Sohn einander nach 34 Jahren wieder in die Arme schließen. "Ich habe geglaubt, du wärst tot", stammelte Colin Bagshaw unter Tränen, als ihm klar wurde, dass er sich seinem Vater gegenübersah.
Der heute 61-jährige Barry Bagshaw hatte den Kontakt zu seinen drei Kindern verloren, als er in der damaligen Kronkolonie Hongkong stationiert war. Seine Frau verließ ihn, weil sie eine Affäre mit seinem besten Freund hatte; die Kinder blieben nach der Scheidung bei ihr.
Barry kehrte schließlich nach England zurück, ließ sich in Peacehaven bei Brighton nieder und begann als Taxifahrer zu arbeiten. Schicksalhafte Begegnungen am Arbeitsplatz sind zumindest für ihn nichts Neues: Seine zweite Frau Josie lernte er in seinem Taxi kennen.
Der heute 39-jährige Colin Bagshaw - der in dem Glauben aufwuchs, sein Vater sei tot - lebte lange in Südafrika. Vor einem Monate kehrte er nach Peacehaven zurück, um dort die Leitung eines Hotels zu übernehmen.
Nach einem harten Arbeitstag stieg Colin nun gemeinsam mit seiner Freundin in Barrys Taxi: Als diese den Namen des Taxichauffeurs las, fragte Colin im Scherz: "Ihr Vorname ist nicht auch noch Barry?" - "Ich sagte 'Ja', drehte mich um - und konnte gerade noch den Wagen am Straßenrand parken. Sonst hätte ich einen Unfall verursacht", so der fassungslose Barry. "Ich war völlig aus dem Häuschen. Zuerst habe ich ihn gar nicht erkannt, aber dann war es ein fantastischer Augenblick."
Nach den ersten Freudentränen wurde die glückliche Wiedervereinigung bei einer Flasche Champagner gefeiert. Dabei stellten Vater und Sohn fest, dass sie nur einige Häuserblocks voneinander entfernt wohnen. "Manchmal denke ich, ich träume", so der überglückliche Colin. Nun wollen sich die beiden erst einmal richtig kennen lernen.
Quelle: Kurier
08.08.2001
Familie / Oberlandesgericht entscheidet nach jahrelangem Rechtsstreit
Großeltern dürfen ihre Enkelin adoptieren
Celle. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit durch drei Instanzen darf ein Großelternpaar seine Enkelin jetzt adoptieren. Das Oberlandesgericht Celle (OLG) widersprach Amts- und Landgericht, dass die Adoption "sittlich nicht gerechtfertigt" sei. Die jetzt 19-Jährige lebt seit ihrer Geburt bei den heute über 70-jährigen Großeltern und hatte nie Kontakt zur Mutter. Laut OLG habe es ausschließlich um das Wohl der Enkelin zu gehen. Ein Konflikt mit der leiblichen Mutter sei nicht zu befürchten. Wäre es nach dem Amtsgericht Celle und dem Landgericht Lüneburg gegangen, würde die junge Frau ihre Oma und Opa zwar immer noch mit Mutter und Vater anreden, auf dem Papier aber nur deren Enkelin sein. Das OLG stellte fest, dass die Vorinstanzen den Rechtsbegriff des Eltern-Kind-Verhältnisses verkannt und zu eng gefasst hätten. Aus dem Altersunterschied könne nicht gefolgert werden, dass die Adoption sittlich ungerechtfertigt sei. Ein intaktes Eltern-Kind-Verhältnis habe schon immer bestanden (Az: 17 W 30/01).
Quelle: Südwest Presse
31.07.2001
Homo-Ehe
Nicht nur Ehe, auch Kinder?
Grüne wollen für schwule Paare das Adoptionsrecht ändern
Die Grünen wollen sich nach In-Kraft-Treten der eingetragenen Partnerschaften für Schwule und Lesben am 1. August für eine Änderung des Adoptionsrechts einsetzen. Das sagte der rechtspolitische Sprecher der Fraktion, Volker Beck, am Montag. "Die gemeinschaftliche Adoption wird kommen, wenn erst einmal genügend Erfahrungen mit dem neuen Gesetz gemacht sind", sagte Beck dem Tagesspiegel. Es sei auf Dauer nicht zu rechtfertigen, dass ein Homosexueller als Einzelperson ein Kind adoptieren könne, "als Partnerschaft dagegen nicht".
Für das Wohl des Kindes sei es besser, wenn nicht nur eine, sondern zwei Personen da seien. Dann könnten beide Elternteile für es sorgen und im Zweifelsfall auch unterhaltsrechtlich einstehen. "Das schafft mehr soziale Sicherheit", so Beck.
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An diesem Mittwoch (1. August) tritt das Gesetz über die "Homosexuellen-Ehe" in Kraft. Gleichgeschlechtliche Paare können ihren Bund amtlich durch eine "Eingetragene Lebenspartnerschaft" besiegeln lassen. Ähnlich wie bei der Ehe gibt es dann ein gemeinsames Namensrecht, gegenseitige Unterhaltspflichten, gesetzliches Erb- und Mietrecht und Einbeziehung des Partners in die Kranken- und Pflegeversicherung.
In Hamburg sind für Mittwoch gleich 15 Vermählungen von schwulen und lesbischen Paaren geplant. Zu der Massen-Hochzeit vor dem Standesamt Altona erscheint auch grüne Bundesprominenz, darunter Beck und Parteichefin Claudia Roth. In Berlins Schwulenhochburg Schöneberg sind alle Termine für zwei Wochen ausgebucht.
In SPD-geführten Ländern wird vor dem Standesamt geheiratet, während Unionsländer andere Regelungen getroffen haben. Sie lehnen das Gesetz insgesamt ab. Rot-Grün hatte auch noch Vergünstigungen beim Steuer- und Beamtenrecht sowie bei den Sozialleistungen vorgesehen. Diese Regelungen bedürfen der Zustimmung auch der Unionsländer und liegen jetzt auf Eis.
Beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe ging am Montag ein Eilantrag ein, mit dem Bayern zur fristgerechten Eintragung der Homosexuellen-Ehen gezwungen werden soll. Der Eingang wurde am Montag vom Gericht bestätigt. Die Namen der insgesamt 20 Beschwerdeführer wurden nicht mitgeteilt, doch hatte bereits in der vergangenen Woche Rechtsanwältin Maria Sabine Augstein aus Tutzing einen entsprechenden Antrag angekündigt. Nun muss eine Kammer des Ersten Senats über den Eilantrag entscheiden.
Quelle: Tagesspiegel
27.07.2001
Anglikanische Kirche vernichtet Beweise ihres Verbrechens
Das australische Parlament besitzt eine Kommission zur 'Versöhnung mit den Ureinwohnern', die sich mit dem Verbrechen an der 'verlorenen Generation' beschäftigt.
Zwischen 1910 und 1970 raubte man den australischen Ureinwohnern ungefähr 100.000 Kinder, die man in Waisenhäuser steckte oder Weißen zur Adoption überließ. Sie wurden dort häufiger wie Sklaven behandelt und auch sexuell missbraucht.
An der Schweinerei waren auch die Kirchen beteiligt. Während alle anderen Kirche mithalfen, der 'verlorenen Generation' eine Familienzusammenführung zu ermöglichen, vernichtete die anglikanische Kirche dort all ihre Unterlagen.
Quelle: Frankfurter Rundschau
20.07.2001
Kindheit am anderen Ufer
Amerikanische Studien zeigen, dass Kinder bei Schwulen oder Lesben genauso behütet aufwachsen wie bei heterosexuellen Paaren
Rolf Degen
Würden Sie ein Kind, das zur Adoption freigegeben wurde, einem schwulen oder lesbischen Pärchen anvertrauen? Wenn Sie zu den Beamten gehören, die solche Entscheidungen fällen müssen, beantworten Sie diese Frage vermutlich eher negativ. Aus der Sicht der empirischen Forschung besteht jedoch kein ernstzunehmender Einwand gegen ein solches Arrangement.
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Vermutlich hat es in der Geschichte schon immer Homosexuelle gegeben, die Kinder ohne Hilfe eines andersgeschlechtlichen Elternteils aufzogen. Besonders in den USA existiert jedoch eine sehr aktive Schwulen- und Lesbenbewegung, die eine rechtliche Gleichstellung für die homosexuelle Ehe und Elternschaft verlangt.
Bei den amerikanischen Familiengerichten stoßen die meisten Homosexuellen aber mit ihrem Wunsch nach einem Adoptivkind auf Ablehnung. In den Entscheiden heißt es häufig besorgt, dass die Kinder sexuell "umgepolt" oder durch die normabweichende Umgebung in ihrer Persönlichkeitsentwicklung beeinträchtigt werden könnten.
Seit rund einem Jahrzehnt werden die elterlichen Qualitäten von Homosexuellen und die Persönlichkeit ihrer Kinder durch empirische Studien in den USA untersucht, nun ziehen die beiden amerikanischen Soziologieprofessoren Judith Stacey und Thomas J. Biblarz im "American Sociological Review" (Band 66, Seite 159) Bilanz. Die meisten der publizierten Untersuchungen enthalten Informationen über Lesben, die nach der Scheidung vom Ehemann das Sorgerecht erhielten. Die wenigen Studien über homosexuelle Väter und deren Sprösslinge fallen jedoch ähnlich aus.
"Das Fazit dieser Untersuchungen lautet einheitlich, dass keine fassbaren Unterschiede zwischen Kindern existieren, die bei hetero- und homosexuellen Eltern aufwachsen, und dass lesbische und schwule Eltern kompetente Erzieher sind", schreiben die Autoren. Diese Befunde, die rasch zur Munition in der öffentlichen Debatte avancierten, wurden jedoch von konservativer Seite kritisiert. Ideologische Befangenheit zugunsten der Schwulen- und Lesbenbewegung habe den analytischen Blick getrübt.
Doch in einem entscheidenden Punkt waren die Forscher mit ihren Kritikern konform gegangen, betonen die Soziologen: Sie hatten das Aufwachsen bei einem heterosexuellem Elternpaar unkritisch als Maßstab akzeptiert, so dass die geringste Abweichung von diesem Ideal den Geruch des Versagens trug. Vor diesem Hintergrund, so Stacey und Biblarz, wurden offenbar ein paar real existierende Unterschiede unter den Teppich gekehrt.
Egal von welchem theoretischen Ansatz man sich auch nähert, sei es beinah undenkbar, dass das Aufwachsen bei homosexuellen Eltern ohne Folgen bleibe. So haben die biologische Kinder von Homosexuellen Erbgut mit ihren Eltern gemeinsam; das menschliche "Triebschicksal" hängt jedoch nach neueren Befunden zweifellos zu einem wesentlichen Teil auch von den Genen ab. Auch schwule und lesbische Eltern bieten ihren Kindern lerntheoretisch gesehen Modelle für die Persönlichkeitsentwicklung, und auch das soziale Umfeld hebt sich von dem der Heteros ab.
Um diesen Zusammenhängen unvoreingenommen auf den Grund zu gehen, haben die beiden Wissenschaftler jetzt die Untergruppe jener 21 Studien ins Visier genommen, die den höchsten methodischen Ansprüchen genügen. Eine der Voraussetzungen war, dass den Lesben und Schwulen eine Vergleichsgruppe heterosexueller Eltern gegenüberstand, die ansonsten ähnliche Lebensbedingungen aufwiesen. Die Studien mussten auf statistisch ausgereiften Verfahren basieren und verlässliche Informationen über die psychosexuelle Entwicklung enthalten. In den entscheidenden Punkten bringt auch die neue Auswertung den altbekannten Trend ans Licht, resümieren die Autoren ihre Ergebnisse. Ein breites Spektrum von Psychotests fand bei den unkonventionell aufgezogenen Kindern keine Indizien für eine Störung der Persönlichkeit, der Intelligenz und der Einstellungen zu sich selbst, dem "Selbstkonzept".
"Die Kinder machen sich extrem gut", sagten die Forscher. "Es gibt nicht den geringsten Hinweis, dass ihre seelische Gesundheit und die Entwicklung ihrer Persönlichkeit einen Schaden nimmt. Sie sind gut angepasst, besitzen ein gesundes Selbstwertgefühl und erzielen die gleichen schulischen Leistungen wie ihre Altersgenossen aus traditionellen Familien." Doch was die Entwicklung der Geschlechtsidentität betrifft, gingen den Forschern ein paar feine Abweichungen ins Netz. Töchter, die bei lesbischen Müttern aufwuchsen, legten eine Tendenz zu einer unkonventionellenGeschlechtsidentität an den Tag.
Sie interessierten sich eher für Hobbys und Aktivitäten, die sowohl einen femininen als auch maskulinen Anstrich aufwiesen. Sie setzten sich auch häufiger "unfeminine" Berufe wie Astronaut oder Ingenieur in den Kopf. Und auch was ihre sexuellen Interessen anging, wichen sie öfter von anderen Mädchen ab. Sie waren generell etwas aufgeschlossener für sexuelle Aktivitäten und hatten auch etwas häufiger Erfahrungen mit dem gleichen Geschlecht gemacht. Allerdings gab es bei Jungen und Mädchen aus den unkonventionellen Verhältnissen nicht die geringste Tendenz, sich selbst häufiger als lesbisch oder schwul zu bekennen.
Söhne, die bei lesbischen oder homosexuellen Elternteilen aufwuchsen, stachen bemerkenswerterweise durch eine größere sexuelle Keuschheit und Zurückhaltung hervor. Es fällt sehr schwer, dies durch den Mechanismus des Modellernens zu erklären. Außerdem legten sie weniger aggressive und dominante, dafür mehr fürsorgliche Züge an den Tag.
Was ihre Kompetenz als Erzieher betrifft, stellte die Analyse den Schwulen und Lesben gute Noten aus. Lesbische Mütter, die mit einer festen Partnerin zusammenlebten, verhielten sich in einem bestimmten Punkt vorbildlich: Die "ehelichen" Aufgaben wurden bei ihnen besonders fair und gleichberechtigt aufgeteilt. "Was die kritischen Punkte angeht, liefern diese Ergebnisse keine Berechtigung, die sexuelle Orientierung der Eltern zu berücksichtigen, wenn es ums Kindeswohl geht", urteilen die Forscher. "Der Entschluss, nicht-heterosexuellen Eltern gleiche Rechte zuzusprechen, darf nicht davon abhängen, dass die Kinder mit denen Heterosexueller identisch sind."
Dass Kinder aus unkonventionellen Verhältnissen selbst etwas mehr unkonventionelle Züge tragen, kann sehr gut aus der genetischen Überschneidung mit den Eltern resultieren. Wasserdicht ließe sich dies nur durch Studien an Homosexuellen prüfen, die Kinder heterosexueller Eltern adoptiert haben. Doch genau dieses Arrangement wurde bisher eher behindert.
Quelle: Tagesspiegel
20.07.2001
REPRODUKTIONSMEDIZIN
Tiefkühlbabys zur Adoption frei
Überzählige Embryonen adoptieren statt vernichten In den USA vermittelt eine Agentur Adoptiveltern für tiefgefrorene Embryonen. Das berichtet die "Ärzte Zeitung" (Neu-Isenburg) in ihrer Mittwoch-Ausgabe. Die "Christian Adoption and Family Services" im kalifornischen Brea wollten verhindern, dass "überzählige" Embryonen aus künstlicher Befruchtung vernichtet werden.
Fremde Embryonen selber austragen – für gut 10.000 Mark
Genetische Eltern und Adoptiv-Eltern schliessen eine Art Kaufvertrag ab. „Es handelt sich um eine Eigentumsübertragung - wie beim Autokauf”, schreibt die Zeitung. Die Adoption koste die neuen Eltern 4500 Dollar (gut 10.000 Mark, 5140 Euro). Die Embryonen würden den Adoptiv-Müttern eingepflanzt. Das erste auf diese Weise entstandene Baby sei bereits 1998 geboren worden, heute seien es mehrere Dutzend.
100.000 tiefgefrorene Embryonen auf Lager
Nach Schätzungen der Amerikanischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin lagern in den USA rund 100.000 tiefgefrorene Embryonen aus künstlichen Befruchtungen. Sie werden entweder vernichtet oder eingefroren. Forscher wollen diese "überzähligen" Embryonen auch zur Gewinnung embryonaler Stammzellen nutzen.
Quelle: Stern
28.06.2001
Mehr als tausend Kinder adoptiert
STUTTGART (epd). 1014 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg adoptiert worden. Davon seien 62 Prozent, also 627 Buben und Mädchen, durch den Stiefvater oder die Stiefmutter als Kind angenommen worden, teilte das Statistische Landesamt mit. 526 der Adoptierten waren Mädchen, 488 waren Jungen. 35 Prozent der Kinder waren unter sechs Jahre alt, weitere 35 Prozent zwischen sechs und elf Jahre.
In den vergangenen zehn Jahren schwankte die Zahl der jährlichen Adoptionen zwischen 986 und 1184. Die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen 55 Prozent der adoptierten Kinder und Jugendlichen. 27 Prozent der nichtdeutschen Adoptivkinder kamen aus Asien, 15 Prozent aus Lateinamerika und sechs Prozent aus Afrika. Bei den Adoptionsvermittlungsstellen waren dem Landesamt zufolge 1400 Paare vorgemerkt, die gern ein Kind annehmen möchten. So seien auf ein zur Adoption vorgemerktes Kind 13 Adoptionsbewerbungen gekommen, im Jahr zuvor waren es 17 gewesen.
Quelle: Stuttgarter Zeitung
13.06.2001
Internet-Verfahren gerät in die Kritik
Online-Katalog bietet tausende Adoptivkinder
Seattle. "Eleana wurde bei ihrer Geburt verlassen." Mit diesem Satz und einem Foto hat die amerikanische Agentur "Adoption Advocates International" ein neunjähriges Mädchen aus Rumänien im Internet vorgestellt.
Der Online-Katalog der Vermittlungsagentur im Bundesstaat Washington ist typisch - Tausende von Kindern werden in US-Websites präsentiert. Diese Praxis wird von der US-Regierung aktiv unterstützt.
In den USA ist längst übliche Praxis, was in Europa bis heute verpönt ist: Die Nutzung des Internets zur Vermittlung von Kindern, die verzweifelt auf neue Eltern warten. "Die Menschen müssen einfach wissen, dass diese Kinder existieren", sagt Gloria Hochman vom National Adoption Center in Philadelphia.
Diese Wohltätigkeitsorganisation wird mit staatlichen Geldern finanziert. Hochman betont, dass man sich besonders um schwer vermittelbare ältere Kinder kümmere, die wegen ihrer Behinderungen oder Verhaltensstörungen nur sehr selten aus dem Waisenhaus herauskommen.
Prinzipiell sei auch eine Vermittlung der Kinder an Eltern aus dem Ausland möglich; die Eltern müssen allerdings in den USA als Bewohner mit fester Adresse registriert sein, betont Hochman. Dies ist immerhin ein kleiner Hoffnungsschimmer für adoptionswillige deutsche Paare.
Die in Deutschland üblichen Altersbeschränkungen für Adoptionseltern etwa gelten in den USA nicht. Die Regeln zur Festlegung einer "Residency" sind in jedem Bundesstaat unterschiedlich und oft nicht sehr streng; in Arkansas etwa reicht bereits ein 30-tägiger Aufenthalt.
Die Kritik an der Kinderpräsentation im Internet wächst allerdings auch in den USA. Adoptionsrechts-Experten wie die kalifornische Professorin Joan Hollinger weisen etwa auf einen "bedauerlichen Mangel an Privatsphäre" hin.
Die Fotos sind meistens mit ausführlichen Beschreibungen versehen, die auch psychische oder körperliche Probleme der Kinder betreffen. "Kaum ein Erwachsener würde von sich Privatfotos zusammen mit medizinischen Informationen online präsentieren", argumentiert Hollinger.
Quelle: Kölner Rundschau
Adoptiveltern sind bessere Eltern
[...] Seit Jahren ist ein einzigartiges soziales Experiment im Gang: die Adoption von Kindern aus verschiedenen Herkunftsländern und Kulturen. Die neuste Forschung benennt ernsthafte Probleme. Aber auch Chancen Ab und zu eine Schlagzeile um Kinderhandel und horrende Summen - ansonsten ist es stiller geworden um eine internationale Transaktion, die in den siebziger Jahren begann, in den Achtzigern lawinenartig anstieg und heute in westlichen Gesellschaften weitgehend zur Normalität gehört: die internationale Adoption.
Weltweit werden jedes Jahr etwa 25 000 bis 30 000 Kinder aus verschiedensten Ländern, Rassen und Kulturen - kaum aus den ärmsten Staaten der Welt übrigens, sondern in der grossen Mehrzahl aus Schwellenländern - von Eltern in westlichen Industrieländern adoptiert. Was eigentlich wissen wir über dieses einzigartige soziale Experiment? Blickt man sich in der Forschung um, so stösst man auf zahllose Studien aus vielen Ländern, die das Befinden von verschiedensten Gruppen von Adoptivkindern untersuchen.
Aus Dänemark erfahren wir da zum Beispiel, dass Adoptivkinder das Elternhaus früher verlassen als dänische Kinder. In den Vereinigten Staaten zeigte sich, dass von 463 vietnamesischen Adoptivkindern, die mit rund fünf Monaten adoptiert wurden, überdurchschnittlich viele später zu krabbeln und zu laufen begannen als amerikanische Kinder, dass sie diesen Rückstand aber im Alter von zwei Jahren aufholten. 110 von 115 holländischen Müttern von thailändischen Adoptivkindern beurteilten acht Jahre nach der Adoption die Beziehung zu ihrem Kind als sehr befriedigend. Eine deutsche Studie aus dem Jahre 1991 unternahm es, solche Detailergebnisse zu bündeln, und kam zum Schluss, dass Adoptivkinder eine überdurchschnittliche Schulbildung aufweisen, dass die Zufriedenheit mit der innerfamiliären Situation bei Adoptiveltern und -kindern überdurchschnittlich hoch ist und dass sich ausländische Adoptivkinder nicht schlechter entwickeln als einheimische Adoptivkinder und leibliche Kinder. Wenige sehr schwierige Fälle Doch es gibt auch die anderen Resultate.
Immer wieder verweisen Untersuchungen auf eine statistische Häufung von Verhaltensstörungen bei adoptierten Adoleszenten, die sich in überdurchschnittlich vielen Kontakten mit psychiatrischen Diensten, mit Polizei und Gerichten zeigen. So verglich etwa 1989 eine holländische Studie 2148 adoptierte Kinder mit 1000 gleichaltrigen Kindern aus Südholland: Die Adoptierten zeigten eine doppelt so hohe Rate von Verhaltensproblemen, mehr psychiatrische und polizeiliche Kontakte und fünfmal mehr (befristete) Heimeinweisungen. Eine amerikanische Studie von 1999 wies dagegen nach, dass sich die statistische Häufung von schwerwiegenden Verhaltensproblemen zumindest in den Vereinigten Staaten auf eine kleine Zahl von sehr schwierigen Fällen zurückführen lässt - eliminiere man diese, verschwinde die Auffälligkeit. Gibt es bei so disparaten, sogar widersprüchlichen Meldungen überhaupt allgemein gültige wissenschaftliche Erkenntnisse zur Adoption?
Es gibt sie, meint René Hoksbergen, Leiter des Adoptionszentrums der Universität Utrecht und Inhaber einer eigentlichen Professur für Adoption. Dieser wohl weltweit einzigartige Lehrstuhl wurde geschaffen, als in den Niederlanden die Welle der Auslandadoptionen besonders hoch ausschlug: Zwischen 1975 und 1987 kamen jedes Jahr über tausend Kinder aus dreissig verschiedenen Herkunftsländern ins Land. Heute sind es immerhin noch zwischen achthundert und tausend. In Holland zeigte sich damit früh jener Trend, der sich dann in fast allen westlichen Ländern wiederholte: Zusammen mit den ungewollten Schwangerschaften verschwanden die im Inland zur Adoption freigegebenen Kinder. Einzig in den Vereinigten Staaten und in Deutschland gibt es heute noch eine nennenswerte Zahl von Inlandadoptionen. In der Schweiz kommen heute auf rund 500 jährlich aus dem Ausland adoptierte Kinder gerade noch etwa 40 im Inland geborene. [...]
Quelle: Ratio