Presseartikel Thema Adoption
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07.12.2001
Gesetzesentwurf für homosexuelle Paare
Der Entwurf für ein Partnerschaftsgesetz, welchen Bundesrätin Ruth Metzler präsentiert hat (NZZ 15. 11. 01), enthält zwar die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare mit Ehepaaren im Erbrecht, im Sozialversicherungsrecht, in der beruflichen Vorsorge sowie im Steuerrecht, leider fehlen aber die rechtlichen Möglichkeiten einer Adoption und die künstliche Befruchtung. Gerade lesbische Paare werden mit dem Gesetzesvorschlag erneut diskriminiert. Was einem heterosexuellen Paar erlaubt wird und von medizinischer Seite bei gegebenen Umständen tatkräftig unterstützt wird, soll zwei Frauen, die sich ein Kind wünschen, weiterhin per Gesetz verboten bleiben. Obwohl in der Bundesverfassung festgehalten ist, dass auf Grund der Lebensform niemand diskriminiert werden darf, ist dieses vorgeschlagene Gesetz erst ein Schritt in die richtige Richtung. Der Weg ist aber noch lang.
Simone Brander (Dietlikon)
Quelle: Neue Zürcher Zeitung, Ressort Briefe an die NZZ, 7. Dezember 2001, Nr.285, Seite 69
30.11.2001
Kinderarmut wird vererbt
Etwa 18 Millionen Kinder im ehemaligen Ostblock leben in Armut: Sie haben weniger als 33,66 S pro Tag. Immer mehr enden in Anstalten oder in der Adoption.
GENF (SN, dpa).
Zehn Jahre nach Zerfall des früheren Ostblocks geraten viele Kinder auf die Verliererstraße. Von den 108 Millionen Kindern im Alter bis zu 17 Jahren lebe jedes sechste unter der Armutsgrenze von 2,15 US-Dollar (2,45 Euro/33,66 S) pro Tag, heißt es in einem neuen Bericht, den die Generaldirektorin des UN-Kinderhilfswerkes (UNICEF), Carol Bellamy, am Donnerstag in Genf vorstellte.
16 Millionen von den insgesamt 18 Millionen Kindern in Armut leben in der Region der ehemaligen Sowjetunion; zwei Millionen enfallen auf Zentral- und Osteuropa, darunter die baltischen Staaten und die Staaten des ehemaligen Jugoslawiens. Schlusslichter in der Armutsbilanz bilden Armenien, Moldawien, Kirgisistan und Tadschikistan. In der Ukraine, in Russland und in Armenien ist beispielsweise eines von sieben Kindern mangelernährt, in Albanien, Usbekistan und Tadschikistan eines von drei Kindern.
UNICEF beklagt weiterhin, dass in den 27 Ländern der Region eine wachsende Zahl von Kindern in Heimen lande oder zur Adoption freigegeben werde. Hauptgründe dafür seien schwächer werdende Familienbeziehungen, geringeres Einkommen der Haushalte sowie schlechterer Zugang zu Gesundheits- und Bildungseinrichtungen.
Allein in Weißrussland habe die Zahl der Adoptionen innerhalb von zehn Jahren um 160 Prozent zugenommen. In vielen Staaten sind der Studie zufolge sowohl die Immunschwächekrankheit Aids als auch Tuberkulose auf dem Vormarsch. Als positiv wird in dem Bericht vermerkt, dass sich in der Mehrzahl der Staaten soziale Indikatoren wie die Sterblichkeit von Kindern und Müttern, Abtreibungen und Lebenserwartung verbessert hätten.
Grundsätzliche Freiheiten wie das Wahlrecht und die freie Meinungsäußerung seien in den meisten Ländern anerkannt, sagte Carol Bellamy.
UM AUFBAU DER HUMANEN GESELLSCHAFT BEMÜHT
"Aber wir dürfen nicht die ursprünglichen Ziele für den Übergang wie die Erhöhung des Lebensstandards und den Aufbau einer humanen und demokratischen Gesellschaft vergessen", sagte die Generaldirektorin des UN-Kinderhilfswerks.
UNICEF schlägt vor, dass Kinderarmut künftig zum zentralen Politikthema gemacht wird. Ausgaben für Bildung sollten effektiver eingesetzt werden und die Zahl überschüssiger Lehrer zu Gunsten besserer Gehälter abgebaut werden.
Kinder aus armen Familien müsse der Zugang zu besseren und höheren Bildungseinrichtungen ermöglicht werden, um das Vererben von Armut von Generation zu Generation zu unterbrechen.
Quelle: Salzburger Nachrichten
25.10.2001
Vierzehn Paare ringen um ein Kind
Die Statistiker zählen offiziell immer weniger Adoptionen - es könnten aber viel mehr sein.
Gregor Haake
Eine Adoption - für verzweifelte Paare oft der letzte Ausweg aus der Kinderlosigkeit. Zahlreiche Vermittlungsstellen und seit einigen Jahren das Internet helfen bei der Suche nach dem passenden Baby. In Deutschland gibt es allein 650 staatliche und 100 freie Träger für Adoptionen. "Trotzdem geht eine Vermittlung nicht so schnell, wie viele sich das wünschen", sagt Maria Holz vom Kinderschutzwerk Terre des Hommes. Denn die Aufgabe der Vermittlungsstellen sei es zunächst einmal auf die Belange des Kindes achten und nicht auf die der Adoptiveltern.
Trotzdem wurden nach neuesten Erhebungen im Jahr 2000 fast 6400 Jugendliche unter 18 Jahren in Deutschland adoptiert. Dies sei geringfügig weniger als im Vorjahr, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mit. Zu zwei Dritteln seien dies Adoptionen von Verwandten oder Stiefeltern. Mehr als 1900 Kinder kamen aus dem Ausland, davon jedes Dritte aus dem asiatischen Raum, teilten die Statistiker mit.
In Berlin und Brandenburg ist die Zahl der Adoptionen vergleichsweise niedrig. Nach aktuellen Schätzungen sind in beiden Bundesländern nur etwa 250 Kinder vermittelt worden. Doch die Zahlen trügen. Wenn es nach deutschen Eltern ginge, würden weitaus mehr Kinder adoptiert werden. So rangeln sich in Deutschland 14 Eltern um ein Kind. Ende des vergangenen Jahres waren 942 Kinder zur Adoption freigegeben - demgegenüber waren mehr als 13 000 Adoptions-Bewerber, wie es im Fachjargon heißt, bei den Jugendämtern und bei freien Trägern registriert. Allerdings konzentriert sich die Nachfrage in erster Linie auf Kleinkinder oder Babys. "Je älter ein Kind wird, desto schwerer ist es zu vermitteln", sagt Frank Licht, Leiter der zentralen Adoptionsstelle für Berlin und Brandenburg.
Für viele ältere Paare bleibt nur noch der Weg ins Ausland. Dort hat sich deshalb ein grauer Markt entwickelt. Den Grund dafür sehen Kinderschutzvereine in der Mentalität in den westlichen Industrieländern. "Wir leben noch zu sehr in dem Glauben, dass alles käuflich ist, was man nicht von Natur aus haben kann - auch Babys", klagt Maria Holz. Wie viele Kinder auf illegalem Weg nach Deutschland kommen, können Experten schwer beziffern. Frank Licht weiß jedoch: "Es gibt einen grauen Markt - denn wo Geld ist, ist auch ein Weg zu einem Kind." Der Hamburger Adoptionsexperte Rolf Bach glaubt jedoch, dass es keine "mafiosen Strukturen" mehr gibt wie noch in den achtziger Jahren. Heute sei es schwieriger ein Kind nach Deutschland zu schmuggeln, weil Kinderhandel mit zum Teil erheblichen Haftstrafen geahndet würde.
Spätestens im kommenden Jahr soll dem Handel mit der Ware Kind durch die Haager Konvention für interstaatliche Adoptionen ein Riegel vorgeschoben werden. "Dann gibt es klare Regeln für Auslandsadoptionen", erwartet Licht. Dies ist nach Ansicht von Experten auch bitter nötig. Schließlich habe jedes Kind ein Recht darauf zu erfahren, wer seine Eltern sind, sagt Sabine Walther vom deutschen Kinderschutzbund: Spätestens wenn ein adoptiertes ausländisches Kind bewusst wahrnehme, dass es beispielsweise eine andere Hautfarbe habe, fange es an zu fragen, woher es komme. Je später ein Kind von seiner Adoption erfahre, um so weniger seien traumatische Folgen auszuschließen, warnen Experten. Gegen das Recht auf Identität verstoßen nach Ansicht von Terre des Hommes auch die mehr als 20 Babyklappen in Deutschland. Der Kinderschutzverein glaubt nicht, dass Tötungen von Säuglingen damit verhindert würden. Diese seien Affekthandlung von Müttern in Not, heißt es in einer Stellungnahme der Organisation.
Quelle: Tagesspiegel
24.10.2001
DESTATIS: Adoptionen im Jahr 2000 geringfügig zurückgegangen
Wiesbaden (ots) - Wie DESTATIS, das Statistische Bundesamt, mitteilt, wurden im Jahr 2000 in Deutschland insgesamt 6 373 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren adoptiert, 0,4 % weniger als im Vorjahr. Von 1998 auf 1999 hatte sich die Zahl der Adoptionen um 10 % verringert. Der Anteil der weiblichen und männlichen Adoptierten war im Jahr 2000 nahezu gleich.
Rund 70% der im Jahr 2000 adoptierten Kinder und Jugendlichen besaßen die deutsche Staatsangehörigkeit. Von den 1 891 adoptierten ausländischen Minderjährigen kam fast jeder Dritte aus dem asiatischen Raum. Bei den ausländischen Minderjährigen aus dem europäischen Ausland stammte ein Viertel aus der Russischen Föderation.
In knapp zwei Dritteln aller Fälle wurden die Kinder und Jugendlichen von einem Stiefelternteil oder von Verwandten adoptiert, so dass die Adoption keine wesentliche Veränderung der bisherigen Lebensumstände zur Folge hatte. Der Anteil dieser Adoptionen lag deutlich höher als im Vorjahr (1999: 50%).
Jeder Fünfte der adoptierten Minderjährigen lebte vor der Adoption in einem Heim oder in einer Pflegefamilie. Der Anteil der Vollwaisen, die adoptiert wurden, war gegenüber dem Vorjahr mit 2% nahezu unverändert.
Gut ein Drittel der Kinder und Jugendlichen war zum Zeitpunkt ihrer Adoption - wie im Vorjahr - zwischen 6 und 12 Jahre alt; in 23% aller Fälle konnten Kleinkinder bis zu einem Alter von 3 Jahren erfolgreich zur Adoption vermittelt werden.
Am Jahresende 2000 waren 942 Kinder und Jugendliche zur Adoption vorgemerkt, 13% weniger als 1999. Dagegen lagen den Adoptionsvermittlungsstellen insgesamt 13 138 Adoptionsbewerbungen vor (- 10% gegenüber 1999). Rein rechnerisch standen damit einem zur Adoption vorgemerkten Minderjährigen 14 mögliche Adoptiveltern gegenüber.
Weitere Auskünfte erteilt: Heike Tüllmann,
Telefon: (01888) 644-8151,
E-Mail: heike.tuellmann@destatis.de
ots-Originaltext: DESTATIS, Statistisches Bundesamt
Rückfragen bitte an obigen Ansprechpartner oder an:
DESTATIS, Statistisches Bundesamt
Pressestelle
Telefon: (0611) 75-3444
19.10.2001
Häufiger Erziehungsgeld
MEHR ELTERN KÖNNEN UNTERSTÜTZUNG BEANSPRUCHEN
Schwerin (dpa) In Mecklenburg-Vorpommern haben wieder mehr Eltern Anspruch auf Landeserziehungsgeld im dritten Lebensjahr des Kindes. Gegen die Stimmen der CDU-Fraktion hat der Landtag eine entsprechende Gesetzesänderung beschlossen. Bislang hatten nur Mütter auf diese Hilfe Anspruch, die zur Zeit der Geburt in einem Bildungsverhältnis standen, das im dritten Lebensjahr fortzusetzen war. Künftig reicht es aus, wenn die Mutter im Bezugszeitraum eine Ausbildung absolviert. Adoptierte Kinder werden gleichgestellt.
Im Landeshaushalt sind trotz der Gesetzesänderung, die nach einer Neufassung der Bundesgesetzgebung notwendig geworden war, weniger Mittel für das Erziehungsgeld eingeplant.
Quelle: Schweriner Zeitung
25.09.2001
Strafbefehl gegen Polizisten wegen Anstiftung zum Kinderhandel
Wegen Anstiftung zum Kinderhandel ist gegen einen Polizisten aus Bruchsal Strafbefehl erlassen worden. Die Höhe des Strafbefehls sei "angemessen", sagte die Sprecherin der Heidelberger Staatsanwaltschaft. Der Beamte der Bereitschaftspolizei hatte 1997 ein Baby mit Hilfe eines albanischen Kinderhändlers adoptiert und dafür offenbar auch Geld gezahlt. Außerdem hatte er weitere Adoptionen vorbereitet. Ein Ehepaar, das ein zweites albanisches Kind für knapp 50000 Mark adoptierte, muss eine Geldauflage zahlen. Im Gegenzug wurde das Verfahren eingestellt.
Der Kinderhändler aus Obrigheim war im Mai zu zwei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt worden. Seine Ehefrau erhielt ein Jahr auf Bewährung. Verurteilt wurden sie wegen eines zweiten Falles aus dem Jahr 1998, in dem die Mutter noch gefunden werden konnte. Die junge Frau war von einer albanischen Zuhälterbande bei Neapel zur Prostitution gezwungen worden und wegen ihrer Schwangerschaft zur Entbindung nach Deutschland gebracht worden. Unter massivem Druck musste sie das Kind zur Adoption frei geben.
Gegen einen zweiten Polizisten aus Neckargemünd stellten die Staatsanwälte die Ermittlungen ein. Er hatte bereits 100000 Mark für eine illegale Adoption bereitgehalten. Bevor es dazu kam, wurde der Kinderhändler verhaftet.
Quelle: Südwest Presse
25.09.2001
Polizist beteiligt sich an Babyhandel
HEIDELBERG/BRUCHSAL
Wegen Anstiftung zum Kinderhandel ist gegen einen Polizisten aus Bruchsal ein Strafbefehl erlassen worden. Die Höhe des Strafbefehls sei "angemessen'', sagte die Sprecherin der Heidelberger Staatsanwaltschaft gestern auf Anfrage. Der Beamte der Bereitschaftspolizei hatte 1997 ein Baby mit Hilfe eines albanischen Kinderhändlers adoptiert und dafür offenbar auch Geld gezahlt. Außerdem hatte er weitere Adoptionen vorbereitet. Ein Ehepaar, das ein zweites albanisches Kind für knapp 50000 Mark adoptierte, muss eine Geldauflage zahlen. Im Gegenzug stellt die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein.
Wie berichtet, war der albanische Kinderhändler aus Obrigheim (Neckar-Odenwald-Kreis) im Mai diesen Jahres vom Heidelberger Landgericht zu zwei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt worden. Seine Ehefrau erhielt ein Jahr auf Bewährung. Verurteilt wurden sie wegen eines zweiten Falles aus dem Jahr 1998, in dem die Mutter noch aufgefunden werden konnte. Die junge Frau war von einer albanischen Zuhälterbande im Raum Neapel zur Prostitution gezwungen worden und wegen ihrer Schwangerschaft unter Morddrohungen zur Entbindung nach Deutschland gebracht worden. Ihr Kind brachte sie in Sinsheim (Rhein-Neckar-Kreis) zur Welt. Unter massivem Druck musste sie den Säugling zur Adoption frei geben. Der Polizist kannte den Albaner wegen einer Ehe in der Verwandtschaft.
Gegen einen zweiten Polizeibeamten aus Neckargemünd (Rhein-Neckar-Kreis) stellte die Staatsanwaltschaft Heidelberg die Ermittlungen ein. Er hatte bereits 100000 Mark für eine illegale Adoption bereit gehalten. Bevor es dazu kam, wurde der Kinderhändler im September vergangenen Jahres verhaftet.
Quelle: Stuttgarter Zeitung online
15.09.2001
Kinderhändler gefasst
Internetangebote aus Bulgarien
Baden-Baden - Zwei mutmaßliche Kinderhändler sind der Polizei im Kreis Rastatt ins Netz gegangen.
Ein 38-jähriger Bulgare und sein 46-jähriger deutscher Kompagnon sollen nach Angaben der Staatsanwaltschaft Baden-Baden im Internet bulgarische Kleinkinder zur "Adoption'' angeboten haben. Wie der "Spiegel" in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, sollen die beiden "Vermittlungsgebühren" in Höhe von rund 25 000 Mark (12 782 Euro) pro Kind verlangt haben. Nach eigenen Angaben verfügten sie über "1000 bis 1500 Adressen" bulgarischer Eltern, die bereit seien, ihre Kinder gegen Geld zur Adoption freizugeben.
Beide Männer seien festgenommen worden und hätten bereits ein Geständnis abgelegt, teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Michael Klose, am Freitag mit. Ein adoptionswilliges Ehepaar, das im Internet auf die Seite der beiden Männer gestoßen sei, hatte Verdacht geschöpft und die Polizei alarmiert. Bei der Vernehmung gaben die mutmaßlichen Kinderhändler an, dass es bislang zu keiner erfolgreichen Vermittlung gekommen sei. Den Männern droht eine Strafe von bis zu drei Jahren Gefängnis.
Quelle: Stuttgarter Nachrichten
09.09.2001
Ein Kind für 50.000 Dollar
In Guatemala werden Kinder entführt und über den internationalen Adoptionsmarkt an Paare in Europa und den USA verkauft. Ein WELT am SONNTAG-Report
Von Manfred KutschGuatemala - Auf dem Foto im Internet gähnt der kleine Oscar Alberto. Die Strampelhose ist ihm über die Knie gerutscht, und die winzigen Fingerchen seiner rechten Hand scheinen in Bewegung zu sein. Ein hübsches Baby. Woher er kommt, wird Oscar nie erfahren. Wohin er geschickt wird, ist eine Frage des Preises: Oscar Alberto steht derzeit weltweit zum Verkauf: "Er ist ein gesundes Baby aus Guatemala, das zur Adoption zur Verfügung steht. Er wurde am 10. Februar 2001 geboren. Bei der Geburt wog er 8,8 Pfund und war 52 cm groß", erklärt der Info-Text auf der Website "Waiting Children".
Die verkaufende US-Agentur, die sich hinter dieser Website verbirgt, verfügt in diesen Tagen auch über ein "Dumping-Angebot": "Edgar Thomas wurde am 23. November 2000 geboren, er hat Albinismus. Die Gebühren für seine Adoption sind reduziert." Stupsnasig schaut der goldige Edgar seine potenziellen Käufer an, die da noch erfahren: "Merke: Edgar ist über mehr als eine Agentur verfügbar." Edgar, ein menschlicher "Ladenhüter"?
Zur Bestellung bietet eine andere Website neben der Adressenrubrik auch einen "Verbraucher-Service" an. Wortlaut: "Gewünschte Anzahl der Kinder: eins, zwei, drei." (Bitte Kästchen ankreuzen). "Gewünschtes Alter der Kinder: unter einem Jahr, ein bis zwei Jahre, zwei bis vier Jahre, über vier Jahre." (Bitte ankreuzen). "Geschlecht: Mädchen, Junge, keine Priorität." (Bitte ankreuzen). "Länder Ihres Interesses: Guatemala ..."
Neugeborene und Kleinkinder aus Guatemala werden zum Preis von bis zu 50.000 Mark wie Ware im Internet angeboten. Zwielichtige Agenturen werben mit Sprüchen wie: "Wir machen Ihre Träume wahr." Für UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, gilt das kleine lateinamerikanische Land als "Weltzentrum des Kinderhandels". Das mafiöse Geschäft habe sich dorthin verlagert, weil nach Jahrzehnten der Militärdiktatur "der weitgehend rechtsfreie Raum dafür günstig ist", sagt UNICEF-Sprecher Rudi Tarneden. 1 999 wurden über 3.000 Babys in die USA und nach Europa geschafft. Für 2.000 liegen noch keine Schätzungen vor.
Die USA, Frankreich, Kanada, Italien und an achter Stelle Deutschland zählen zu den Hauptabnehmerländern der verkauften Kinder Guatemalas. Das geht aus einer Studie der UNICEF-Mitarbeiterin Mayra Gutierrez hervor, die - vermutlich Opfer des Kindermarkt-Syndikats - seit 6. April 2000 spurlos verschwunden ist. In diesem Sommer richteten sich zahlreiche Todesdrohungen an die Menschenrechtsorganisation Casa Alianza, die Einzelfälle des Kinderhandels veröffentlichte. Die Beschaffung des "Produktes Kind" verlä uft unterschiedlich: Schwangere werden gezielt unter Druck gesetzt, Analphabetinnen leisten ahnungslos Unterschriften unter Adoptionsfreigaben. Kinder werden in Guatemala aber auch einfach gekidnappt.
Kunden des mittelamerikanischen Kindermarktes sind oft ahnungslose Paare aus den USA und Europa, die sich Adoptions-Kinder unter Umgehung der oft jahrelangen Wartezeiten bei den staatlichen Vermittlungsbehörden kaufen. UNICEF klagt an: "Dabei wird das Kind zum Objekt fremder Interessen." Der Werbeslogan einer Adoptions-Internet-Agentur sagt es offen: "Wir suchen das Kind, das Ihren Vorstellungen entspricht."
Wie brutal diese Suche aussehen kann, erzählt der 24-jährige Leonor, Mitglied des Bürgerkomitees gegen Menschenrechtsverletzungen in Guatemala, das kein Jugend- oder Kinderschutzgesetz hat: "Während eine Frau vorübergehend ins Gefängnis musste, wurden zwei ihrer vier Kinder ohne ihre Einwilligung aus einem Heim heraus verkauft." Im Krankenhaus der Stadt El Progreso, beobachtete Leonor, "standen die Vertreter des Kindermarktes schon vor der Tür des Kreißsaales".
Und dieser Markt ist straff organisiert. Mit Tränen in den Augen zeigt Busfahrer Gustava Tobar (31) mir und meiner Frau die Fotos seiner Söhne Jefrey (5) und Osmin (11). Während er 1997 werktags im benachbarten Mexiko jobbte und seine Frau stundenweise beim Zoll tätig war, wurden die Jungs tagsüber bei Nachbarn untergebracht. Was die Tobars nicht ahnten: Die Babysitter hatten Kontakt zu Susana U., der Rechtsanwältin eines einschlägig bekannten Kinderheimes, die übrigens sogar die Ehefrau des ehemaligen V
orsitzenden des Gerichtshofes von Guatemala-City ist. Die Folge: Wegen angeblicher "Verwahrlosung" kamen Osmin und Jefrey in das besagte Kinderheim in der Straße "3a Calle" Nummer 2-24. Von dort wurden sie binnen weniger Tage ohne Wissen der Eltern in die USA verkauft: "Ich liebe meine Kinder, ich träume von ihnen, ich spüre immer noch ihre Haut", weint der Vater, dessen gerichtliche Klagen im morbiden Rechtssystem des Landes versandeten. Die Ehe ist unter der Zerreißprobe des!
Geschehenen zerrüttet.
Wir besuchen ein anderes berüchtigtes privates Kinderheim, das "Casa Guatemala" in der Avenida 22, Stadtzone 10. Eine Mitarbeiterin: "Wir haben zurzeit zwanzig Kinder, aber die meisten sind nicht frei." In ihrem Büro türmen sich die Aktenordner von Abnahmeländern wie USA, Schweden, Dänemark, Frankreich. Und Deutschland? "Vom Prinzip her kein Problem, aber kommen Sie später noch einmal, ich kann das nicht entscheiden", sagt die Pflegerin. Dennoch wollen wir schon einmal die Kinder sehen. Zu dieser Stunde, es ist 11 Uhr vormittags, liegen sie in langen Reihen in Gitterbetten. Viele wirken merkwürdig apathisch.
Vielfach werden die gestohlenen Kinder Guatemalas zwischen Geburt und Verkauf auch privat "zwischengelagert". Wir folgten einem anonymen Hinweis, der UNICEF zugegangen war: 45. Avenida Nr. 16 des Viertels Colonia Characa, Zone 5 in Guatemala- Stadt. Ein unauffälliges, rot-weiß getünchtes Haus mit vergitterten Fenstern, bewohnt von Olga I. nebst Mann und Tochter. Meine Frau Silke und ich übertölpeln Olga I. als naives, interessiertes deutsches Ehepaar auf der Suche nach einem Kind. "Die Vermittlung macht Rechtsanwalt Sergio de L. Woher haben Sie meine Adresse?", fragt die Frau misstrauisch. Wir kontern ins Blaue: "Der Tipp kam von Fernández." Glückstreffer: "Fernández? Ist das nicht der Bodyguard von Sergio?", wirft Tochter Lilian ins Gespräch ein. Olga I. lächelt meine Frau an: "Sie wollen sicher ein Mädchen?" Wir schauen uns im kargen Wohnzimmer mit seiner Spanholzdecke um. Keine Spur von Kindern.
Während der Ehemann im Schreibtisch kramt, verlassen beide Frauen wenig später den Raum, und plötzlich sind sie da, auf den Armen von Olga und Lilian: Moses Alfonso, elf Tage alt, Marie Estel, drei Monate, José Luis, sechs Monate. Strahlend präsentieren sie ihre derzeitigen "Angebote", über die sie freilich nicht verfügen dürfen: "Das macht alles der Anwalt." Der versorge sie auch mit Wäsche und Lebensmitteln. Eines jedoch wissen sie bereits: "Den José Luis, den können Sie nicht haben. Der geht bald in die USA." Woher die Kinder kommen? Olga verwickelt sich dabei mehrfach in Widersprüche: "Sie wurden allen Müttern mit deren Zustimmung nach der Geburt weggenommen." Später erklärt sie über Moses Alfonso: "Sein Vater hat die Mutter verlassen, aber sie gab noch keine Unterschrift zur Freigabe."
Unaufgefordert zeigt uns Olgas Mann ein Papier: "Hier, damit Sie sehen, dass alles seine Richtigkeit hat." Auf dem Formular finden sich die Unterschriften des Anwaltes und eines Sozialarbeiters. Letztere ist nach guatemaltekischem Recht besonders wichtig: Denn das Freigabe-Gutachten des Sozialarbeiters wird ungeprüft von den Gerichten für Ausreisevisa legitimiert. Die begehrte Unterschrift ist erfahrungsgemäß käuflich: "Mir wurden dafür einmal 15 Mark angeboten", sagt uns die Sozialarbeiterin Herrera Lim a aus dem Osten des Landes. Dennoch: Bei den europäischen und nordamerikanischen Behörden kommen mit den gekauften Adoptivkindern schließlich korrekte Papiere an. Den deutschen Jugendämtern sind dadurch die Hände gebunden: "Eine Überprüfung der Adoptionsumstände vor Ort ist uns nahezu unmöglich, wenn die Papiere des Ausreiselandes nach dessen formalem Recht vorliegen", sagt die Aachener Adoptions-Beauftragte Gisela Engelhard.
Nach Schätzungen von UNICEF erzielte allein der mafiöse Kindermarkt von Guatemala im vergangenen Jahr einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Mark.
Quelle: Welt am Sonntag